Motto

WELCOME TO REALITY

Unser diesjähriges Motto Welcome to Reality (zu Deutsch: Willkommen in der Realität) soll Aufwecken, Aufzeigen und den Blick zu den heutigen Problemen lenken.

Über 40 Jahre nach der Auflehnung der homosexuellen Besucher der Stonewall-Bar in New York gegen die willkürliche Polizeigewalt, hat sich schon sehr viel getan für die gesellschaftliche Akzeptanz von Homo- und Bisexuellen und Transgender. So können in der Schweiz homosexuelle Paare ihre Partnerschaft offiziell eintragen lassen und in einigen Ländern ist es sogar möglich, nicht nur Stiefkinder sondern auch nicht leibliche Kinder eines Paares zu adoptieren.

Trotzdem müssen wir weiterkämpfen – aber das ist nicht allen bewusst!

Klar können wir jedes Wochenende an eine Party gehen, an der wir mit anderen Schwulen und Lesben feiern können. Klar haben wir einen schwulen Polizeikommandant in Basel, eine lesbische Stadtpräsidentin in Zürich, einen schwulen Bundesstaatsanwalt, einen schwulen Ständerat. Klar können wir unsere Partnerschaft registrieren lassen.

Dass es aber noch viele Probleme und Überzeugungsarbeit zu leisten gibt vergessen (oder noch schlimmer: verdrängen) wir in dieser oberflächlichen Scheinwelt, in der unsere kleine Welt in Ordnung ist, zu gerne.

- Es gibt junge Lesben, Schwule und Bisexuelle, deren Outing in ihrer Familie nicht akzeptiert wird. Wenn der Rückhalt in der Familie oder durch Kollegen nicht mehr gegeben ist, hat das schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Das wiederum kann zu erhöhtem Suchtverhalten (Nikotin, Alkohol, Drogen) oder gar zum Suizid führen.

- In der Schweiz ist weder die Adoption noch die Stiefkindadoption durch eingetragene Paare erlaubt. Auch dürfen Homosexuelle kein Blut spenden und oftmals wirkt im privatwirtschaftlichen Umfeld Homosexualität noch als Karrierebremse.

- Auch innerhalb der Community gilt es, auf Minderheiten Rücksicht zu nehmen und Interessen gemeinsam zu vertreten. So versucht die junge Transgender-Vereinigung auch innerhalb der LGB-Community wahrgenommen zu werden und für Ihre Anliegend Mitstimmen zu bekommen.

- In der Schweiz fehlt ein Diskriminierungsgesetz.  Deshalb bleibt eine mediale Beleidigung der Homosexuellen durch die SVP Wallis ungestraft.

Aber nicht nur innerhalb der Schweiz, auch in anderen Ländern gilt es noch zu kämpfen. Wir sollten uns dessen bewusst sein, wenn wir wieder einmal den Flieger besteigen und ein fremdes Land bereisen: wie geht es den Homosexuellen dort?

- in einigen Ländern in Afrika und im mittleren Osten (zum Beispiel Iran, Jemen, Vereinigte Arabische Emirate, u.w.) werden Menschen aufgrund ihrer Homosexualität getötet oder mit jahrelangem Gefängnis bestraft.

- Menschen, die aufgrund dieser Situation fliehen müssen und in der Schweiz Asyl suchen, steht hier ein unmenschliches und schwieriges Verfahren bevor.

- Homosexuelle Secondos, welche in der Schweiz aufwachsen und von den Eltern eine solche Kultur vermittelt bekommen, führen ein schwieriges, teils gefährliches Leben zwischen zwei Welten.

All dessen sollten wir uns bewusst sein, wenn wir unser eigenes Leben offen und frei gestalten können. Und uns nur ein kleines bisschen einsetzen, nur etwas Zivilcourage zeigen, damit das allen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender ermöglicht wird. Mit dem Fokus auf die Menschenrechte setzen sich dieses Jahr das Zurich Pride Festival zusammen mit den nationalen Dachorganisationen Pink Cross und LOS dafür ein, dass alle zu ihren Rechten kommen.

Welcome to Reality – es gibt noch viel zu tun ausserhalb deiner eigenen Welt!